Behcet Necatigil

»Eine verwelkte Rose
beim Berühren«

Mein späteres Ich nach dem Tod eine Mumie
In feuchten Kammern aufbewahrt
Wenn man den vermoderten Deckel hochhebt
Stößt einem entgegen
Ein stechender Arsengeruch aus meiner Zeit

Ich bin eine traverse entraversée:
Wolkenkratzer und Pyramiden auf meinen morschen Schultern
Alle Sprachen der Welt sind voll von meinen Erscheinungen
Auf meinen Schienen durchs Gebirge sogar
Die Müdigkeit der Großstädte

Seit Weltenstehung bin ich da, bin bei einem Wasser
Auf einem Brunnengrund, an einem Werktisch
Neben einem Schiff, mit einer Schreibfeder in der Hand
Züge fahren vorbei
Ich habe meine Sorgen.

Große Zugabteile fahren vorbei
Und ich bin pechverschmiert, um mich herum Schrauben, Muttern
An schwere Eisenschienen bin ich festgeschraubt
Das Donnern der Züge zieht oft vorüber
Die Weiche bleibt, auf schwarzen Schrauben bleibt das Salz
Meines Stirnschweißes.

Vielleicht weil ich so schwere Lasten trug
Wird mein späteres Ich ausgestellt
Verloren, in pompösen Museen der Zivilisationen,
Wie eine Mumie in Bandagen gewickelt
So lächerlich vielleicht
Rostig, zerdrückt, verschrottet
Eine traverse entraversée.

Ich gehe gern in billige Kinos,
Hab ich genug Kies in der Tasche,
Sitz ich im Sessel und nasche.

Im Western ist der Teufel los:
Frauen zählen nicht,
Hier spielen Männer.
Gesang, Musik und Polter
Streit, Faust und Revolver
Bravo, pack ihn, zuschlagen Rufe
Kreischen im Saal.

Die Szenen seien vordergründig, wenn schon,
Sie seien ohne Kunst, na und!
Am Ende schauen die Halunken böse drein
Da gibt es noch Gerechtigkeit, das zählt allein

Man verteilt nah und fern
Gerechtigkeit im Western.

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