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Kirkor Ceyhan
»Ein Klopfen an der Tür«
Roman
Aus dem Türkischen
von Michael R. Hess
ca. 200 Seiten, frz. Broschur
ca. € 16,50
ISBN 978-3-935597-81-4
erscheint Oktober 2010
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| Kein Sternenhimmel |
| Die Geschichte der Vertreibung der Armenier aus dem Osmanischen Reich seit 1915 ist bis heute ein heftig umstrittenes Thema. Erstmals in deutscher Sprache erscheint nun eine Schilderung der Ereignisse von einem türkischen Armenier selbst. Kirkor Ceyhan erzählt in einer kräftigen Sprache und mit fast schon satirischer Feder, wie aus Nachbarn Feinde wurden, von den Verhaftungen, Erschießungen und Deportationen, von menschlicher Verrohung im zerfallenden Osmanischen Reich, von Feigheit und Verrat, von Mut und Lebenswillen.
Der türkisch-armenische Schriftsteller Mýgýrdiç Margosyan nennt ihn seinen und den Lehrmeister all derer, die sich mit der lange verschwiegenen Vergangenheit beschäftigen, der mit Witz und Verstand mit den gängigen Schwarzweißbildern aufräumt. Ein authentisches Buch, gespeist aus den Erinnerungen seiner Familie und Nachbarn. Larmoyanz ist Ceyhan dabei ebenso fremd wie falscher Pathos.
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Kirkor Ceyhan wurde 1926 in Zara, einem kleinen anatolischen Dorf bei Sivas
als Sohn einer armenischen Familie geboren. Er emigrierte nach Marseille und von dort aus nach Bonn, wo er bis zu seinem Tod 1999 lebte. |
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| Es war später August, an einem Dienstag, mittags, am Ende der Pause. Auf Ziegelsteinen, hier und dort auch auf Brettern sitzend, hatten wir gerade das knochenharte trockene Gerstenbrot, das wir aus unseren staubigen und dreckigen Beuteln herausgeholt hatten, zu Ende geknabbert und dazu immer wieder aus Blechschalen von dem Wasser getrunken, das wir vom Kízilirmak geholt und in Blechkanistern stehengelassen hatten, damit sich das Trübe und der Schlamm darin allmählich absetzten. Für GottesWohltat dankte jeder einzelne von uns, manche taten es laut, manche schweigend. Und dabei war das, was er uns gegeben hatte, unser Herr, doch nur eine Handvoll schwarzes Gerstenbrot voller Grannen, das einem das Mundinnere aufriss, und eine Schale trübes, mit rotem Schlamm verunreinigtes Flusswasser. Doch in der damaligen Zeit waren unsere Menschen so fest an ihre Religion gebunden und so tiefgläubig, dass diejenigen, die bei Lob und Dank für ein winziges Stück von Gottes Wohltat etwas weniger beflissen zur Sache gingen, von der Furcht übermannt wurden, dass ihnen auch dieses kleine bisschen noch genommen würde und dann nur noch Heulen und Zähneklappern bliebe. Das war bei den Muslimengenauso wie bei den Armeniern.
Mit einem Ya Allah! machten wir uns wieder an die Arbeit. In der Ferne erschien mein Schwager Necati. Er war so um die acht oder zehn Jahre alt. Nachdem er ein Jahr zuvor auf den rechten Pfad gefunden hatte und Muslim geworden war, hatten wir seinen armenischen Namen, der Hosrof gelautet hatte, in Necati abgeändert. Er ließ sich zwar sehen, aber er kam nicht näher heran. Er ist ein sehr lebhafter, sehr unternehmungslustiger Junge. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Ohne es irgendjemanden merken zu lassen, gab er mir mit dem Finger das Zeichen komm, komm. Ich ließ meine Arbeit liegen und trat näher an ihn heran.
"Meine ältere Schwester hat mich geschickt. Man hat die im Haus wohnenden Illegalen erwischt. Sie haben uns alle, die ganzen Hausbewohner, zusammen mit den Illegalen in die Polizeiwache gesteckt."
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