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Uchqun Nazarov entwirft in seinem Roman ein opulentes Sittengemälde der usbekischen Gesellschaft zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Obwohl das Buch, das erst mit der Perestroika veröffentlicht werden konnte, in Usbekistan ein Bestseller wurde, ist Nazarov mit seinem kompromißlosen Gerechtigkeitssinn den Mächtigen nicht wohlgelitten. In Taschkent kreuzt sich der Leidensweg dreier Frauen durch das unheilvolle Wirken eines skrupellosen Emporkömmlings und Kriegsgewinnlers. Der Skorpion führt als frommer Mann den Namen Allahs im Munde und bedient sich gleichzeitig bestens des Stalinschen Repressionsapparates. Besorgt um seine Geschäfte und sein gesellschaftliches Fortkommen scheut er nicht vor falschen Denunziationen und notdürftig kaschiertem Mord zurück und zerstört letztendlich seine eigene Familie. Uchqun Nazarov zieht mit starken Worten gegen religiöse Doppelmoral, Heuchelei und die Unterdrückung der Frau durch den patriarchalen Traditionalismus zu Felde. Sein humanistischer Rigorismus versteht sich nicht allein als eine Betrachtung der Vergangenheit, sondern zielt auf bestehende Verhältnisse. Uchqun Nazarov wurde 1934 in Taschkent geboren. In Moskau und Taschkent als Kinoregisseur ausgebildet, veröffentlicht er seit den 60er Jahren in usbekischer und russischer Sprache. Er drehte mehr als 10 Spielfilme für Uzbekfilm. | ||||||
| Uchqun Nazarov »Das Jahr des Skorpions« Aus dem Usbekischen
292 S., frz. Broschur |
»Nazarovs Usbekistan gehorcht keiner Partei, keinem Gesetz, sondern ausschließlich dem Wohlhabenden, der die Traditionen für seine Zwecke einzusetzen pflegt. Denn Allah ist mit den reichen Männem. Nazarov, der den Islam an keiner Stelle explizit angreift, begreift die Religion seiner Mutter als eine, die sich von Gott lange verabschiedet hat und als konservative Sozialmoral die verschiedenen Transformationen des letzten Jahrhunderts fast unbeschadet überstand. Wie die Sowjets, so toleriere die heutige Pseudodemokratie den Islam als eine Religion , die die Menschen auf ihre Plätze verweist. In ›Das Jahr des Skorpions‹ machen sogar die NKWD-Spitzel täglich ihre rituellen Waschungen.«
Stefanie Flamm, FAZ |
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