Ein romantischer Kommunist: Nazim Hikmet

Ein romantischer Kommunist: Nazim Hikmet
Der türkische Schriftsteller Nazim Hikmet ist einer der bemerkenswertesten Dichter des 20. Jahrhunderts.
Nazim Hikmet Ran wurde 1902 als Sohn einer kosmopolitischen osmanischen Familie in Thessaloniki geboren. Nachdem er seine ersten politischen Erfahrungen in der von Mustafa Kemal Atatürk geführten Bewegung zur Befreiung der Türkei von der Herrschaft der Westmächte gesammelt hatte, ging er Anfang der 20er Jahre zum Studium nach Moskau. Dort wurde er entscheidend beeinflußt von den künst-
lerischen Experimenten Meyerholds und Majakowskis wie auch der politischen Vision Lenins. Zurückgekehrt nach Istanbul, wurde er zum charismatischen Anführer der türkischen Avantgarde, verfaßte innovative Gedichte, Theaterstücke und Filmszenarien. Wiederholt wegen seiner politischen Ansichten verhaftet, wurde er 1938 zu einer 28jährigen Gefängnisstrafe unter dem Vorwand verurteilt, eine Revolte unter den Streitkräften organisiert zu haben. Während seiner Zeit im Ge-
fängnis von Bursa entstanden politische Gedichte und Liebesbriefe, vor allem aber sein episches Gedicht »Menschenlandschaften«
1950 wurde Hikmet nach einer internationalen Protestkampagne im Rahmen einer Amnestie entlassen. Um einer drohenden neuerlichen Verhaftung zu entgehen, floh er in die UdSSR. Zwar wurde er hier von der kulturellen Szene begeistert aufgenommen und sein Engagement mit dem Friedenspreis honoriert, jedoch stießen seine Theaterarbeiten und Gedichte sowie sein Einsatz für junge unkonventionellle Künstler auf das Mißtrauen und die Ablehnung der Mächtigen. Sein Stück »Iwan Iwanowitsch«, eine Satire auf die sowjetische Bürokratie, wurde verboten. Das von ihm geliebte quirlige, experimentierfreudige nachrevolutionäre Rußland existierte nicht mehr. Die stalinsche Paranoia gelangte in ihre letzte Phase. Seine alten Freunde und Kollegen verloren als »Formalisten« und »Kosmopoliten« ihre Stellung oder gar ihr Leben. Theater und Literatur wurden vom »Sozialistischen Realismus« und belanglosen Elogen auf das schöne, konfliktfreie Leben beherrscht. Ein geplantes Treffen mit Stalin ließ der »Führer der Völker« aus Termingründen absagen, nachdem Nazim Hikmet sich entsetzt und angewidert über das kleinbürgerliche und unterwürfige Theatertreiben in Moskau geäußert hatte. Berija, Stalins Geheimdienstchef, versuchte einen »Verkehrsunfall« zu inszenieren, um den Renitenten, den man aufgrund seiner Reputation nicht offen als »Volksfeind« verhaften konnte, aus dem Weg zu räumen. Man bedeutete ihm, als Ausländer habe er seine Nase nicht in innere Angelegenheiten zu stecken. Nazim Hikmets Antwort war, die Menschlichkeit kenne keine »inneren Angelegenheiten«.
Als Mitglied des Weltfriedensrates ging Hikmet auf Reisen nach Wien, Prag, Warschau, Berlin und andere europäische Städte. Gleich vielen engagierten Wissenschaftlern und Künstlern trat er gegen die atomare Aufrüstung und den Koreakrieg auf, in dem auch türkische Soldaten in den Kampf auf Seiten der US-Amerikaner geschickt worden waren. Seine Gedichte und Lieder wurden zur Stimme der Friedensbewegung und in viele Sprachen übersetzt. Sänger wie Paul Robeson und Pete Seeger popularisierten Gedichte wie »Kizçocugu« (Das Mädchen) durch ihre Interpretationen in den 50er und 60er Jahren. Nazim Hikmet starb am Morgen des 3. Juni 1963 in Moskau.
Bis heute genießt sein Werk ungebrochene Popularität. 2002 wurde zum Nazim-Hikmet-Jahr erklärt. Der ausgebürgerte Nazim Hikmet erhielt in diesem Jahr posthum seine Staatsbürgerschaft zurück und ein Denkmal für den größten Dichter der modernen Türkei wurde errichtet. Wichtiger ist, daß seine Gedichte im Herzen der Menschen lebendig sind und ob ihrer Sprachkraft immer wieder zu faszinieren vermögen.
Titel im Verlagsprogramm Die Luft ist schwer wie Blei Eine Reise ohne Rückkehr Das schönste Meer ist das noch nicht befahrene Epos vom Befreiungskrieg Yasamaya Dair
Verse der Freiheit.
Nazim Hikmet.
Leben, Werk und Kunst.
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Die gezeigten Titelbilder entsprechen der Neuauflage, soweit nicht ein neuer Erscheinungstermin genannt ist, sind die Bücher noch in alter Ausstattung erhältlich.